Fischer-Braun
Marokko 2025/26
Über den Jahreswechsel 2025-2026 bereisten wir in zwei Wochen Marokko. Nach den ersten Tagen in Marrakesch ging es über den Pass Tizi n'Tichika im Atlas-Gebirge zunächst nach Ourzazate und nach Skoura, dann in das Rosental und zu den Affenfingerfelsen. Wir fuhren weiter nach Osten, über Tinghir und Tinjedad nach Erfoud. Ein geführter Ausflug führte uns zum Erg Chebbi.
Der Rückweg führte über NKob und Ait Ouazzik mit einem Abstecher zum Jbel Saghro, dann über Agdz, Taroudant und Tamnagoulte nach Agadir, wo wir wieder einige Tage waren, bevor es von Marrakesch wieder zurück nach Deutschland ging.

Ein Taxi bringt uns zum Riad les Lauriers Blancs. Es liegt an der Nordseite der Medina von Marrakesch.
Auf der Straße ist echt was los. Die vier Spuren in die Stadt sind immer wieder voll. Erst nach einiger Zeit hält der Kleinbus und der Fahrer bringt uns durch regennasse, schmale Gassen zum Riad. Recht schmutzig sehen die Straßen aus, viel Müll liegt rum.
Obwohl in den Straßen recht viel Müll liegt, freuen wir uns im sehr sauberen Riad. Wir haben ein Zimmer ganz oben, das von der Klimaanlage gut geheizt ist. Auf der Terrasse vor unserem Zimmer steht auf der Terrasse ein Jacuzzi.

Auf den Hocker, der daneben steht, steigen wir immer wieder hinauf, weil wir so über die Stadtmauer einen schönen Blick haben, auch auf das schneebedeckte Gebirge, das nicht weit entfernt liegt.
Wir checken ein, schauen nach dem W-LAN, trinken was und machen uns noch kurz auf, um uns umzusehen. Da wir am späten Abend auch etwas Hunger haben, essen wir noch eine Suppe in einem Straßenrestaurant, die richtig gut schmeckt.
Es regnet. Wir frühstücken gemütlich mit Kaffee, dazu Omelette mit Kartoffeln, Pfannkuchen und einem süßen Kuchen.
Wir gehen dann eine Runde in die Stadt und in den Sukh. Eine schöne silberne Schale mit verzierten Kamel-Knochen und Edelsteinen sieht super aus. Der Verkäufer spricht sehr gutes Deutsch, war mehrfach in Deutschland und in Österreich. Zu seinen Kunden gehört auch Herr Würth, mit der schon im kleinen Flugzeug in Stuttgart geflogen sei. Da wir nicht sicher sind, inwieweit die Kreditkarte uns genügend Geld zur Verfügung stellt, verzichten wir auf den Einkauf auch zum deutlich reduzierten Preis. Der Sukh nimmt kein Ende und viele Menschen sind hier unterwegs. Vor dem fast 60 m hohen Minarett der großen Moschee Koutobia gehen wir gerade noch rechtzeitig vor einem starken Regen gerade noch rechtzeitig in ein Kaffee warten dort ab, bis die Sonne wiederkommt.
Die Moschee dürfen hier, wie so ziemlich überall in Marokko, nur Muslime betreten. Am nahegelegenen großen Platz, dem Jemaa El Fna, sind Schlangenbeschwörer zu sehen. Wir tauchen wieder in den nächsten Sukh beim Zeitoun Café ein, gehen auf einer anderen Route zurück, bevor wir zum Schluss wieder in die Rue Riad Larousse einbiegen, die uns in Richtung des Tores in der Stadtmauer bringt, wo unser Riad liegt.
In einem leckeren Fischrestaurant nahe daneben essen wir noch etwas. Am Abend brechen wir zu einer weiteren Tour in die Stadt auf. Damit wir etwas anderes sehen, weichen von der „gewohnten“ Strecke ab – doch haben wir die Karte vergessen. Immer wieder fragen wir nach El Fna: „Toute droite“ ist die Auskunft, die wir meist kriegen, die uns nicht zur El Fna führt: Es wird ein ziemlicher Umweg, den wir nun gehen! Wenn man in den engen Straßen geht, sieht man kaum was von der Umgebung, auch nicht das hohe Minarett der Moschee, die gleich neben El Fna liegt, einfach gar nicht. Zum Abendessen umrunden wir die Stände auf der El Fna und werden ständig angequatscht, wir sollten hier was essen: Durchaus nervig. Als wir dann etwas essen, schmeckt uns weder die Suppe, das Brot und die frittierten Calamares. Naja.
Eine junge deutsche Frau half uns dann schließlich, dass wir über die eSIM per Google Maps uns orientieren konnten. Wir fragen uns, warum es nun klappt, vorher jedoch nicht? – Erst etwas später merken wir, dass sie einfach die mobilen Daten am Handy eingestellt hat. Das werden wir mit der nächsten Rechnung deutlich merken. Doch wir sehen noch einige schöne Dinge, die beleuchteten Dachterrassen, Blütenmeere, hören Musik …, bis wir uns dann wieder - nun auf kürzestem Weg - mit Maps auf den Heimweg machen.
Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg zur Mendersa Ben Youssef, einer großen Koranschule aus dem 16. Jh., die in den letzten Jahren supertoll hergerichtet wurde. Ein Film zeigt die kleinteiligen Arbeiten an den Mosaiken und im Holz, und wie die Dächer neu gedeckt wurden. Das sieht nun alles echt edel aus. Allerdings fällt mir auf, dass die Zimmer sehr klein sind – und dass sie von außen verriegelt werden können. Spannend ist, dass es hier auch Abbildungen gibt, die ja sonst im Islam verboten sind.
Auf der Dachterrasse neben dem Maison de la Photographie im Dar Tazi trinken wir einen Kaffee und sehen, gar nicht weit entfernt, das Atlasgebirge. Zum Kaffee gibt es leckeres Brot, Oliven und eingelegte Paprika: Super!
Das Teppichmuseum - Dar Si Said Museum – hat leider zu. Wir besuchen den Bahia Palace, der noch auf eine Renovierung wie in der Mendersa Ben Youssef wartet - wobei ein kleines und ein großes Riad schon gezeigt werden, ebenso der Bereich der Prinzessin. Auch hier sind die Hölzer toll geschnitzt und bemalt!
In der Synagoge ist es offensichtlich nicht wichtig, dass Männer sich den Kopf bedecken. Auf dem großen jüdischen Friedhof gibt es immerhin Kippas zum Ausleihen. Doch – einen (jüdischen) Friedhof, auf dem alle Gräber weiß angestrichen sind, habe ich noch nicht gesehen. Etwas Grünes ist - außer bei den Bäumen – nicht zu sehen: Alles über dem Boden ist weiß gestrichen.
Im Badii Palast wollen wir die Kanzel aus der Kashoubia sehen - doch, wie wir enttäuscht feststellen, kann der gerade nicht besichtigt werden. Neben Fotografien im Keller gibt es einen Weg durch Ruinen und zwischen zwei kleinen Teichen hindurch zu weiteren Fotos – und das war es dann auch in diesem Palast.
Wir stehen etwas früher auf, um rechtzeitig das Auto zu holen. Der erste Taxi-Fahrer will mal wieder 100 DH, obwohl es nur 2 km sind. Dann finden wir einen, der mit 50 zufrieden ist. Er weiß allerdings gar nicht, wo er hin muss. Ich zeige ihm per Google Maps, wie er fahren kann. Er fährt dann zu seinen Kumpels und fragt nach - ich gebe einem das Handy, und er erklärt dem Chauffeur, wie er fahren soll. Kurz darauf sind wir vor Ort und suchen Air Car – und entdecken ein kleines Büro. Ein Mitarbeiter sitzt mit einem Paar am Schreibtisch, fragt nach unserem Namen, sieht, dass er uns im Kalender hat und macht erstmal weiter. Nach einiger Zeit draußen kommt er wieder. Obwohl ich mich gestern schon online eingecheckt hatte, kommt das Ganze nun nochmals. Wir dann am Ende für nur 20 € mehr das Auto am Flughafen abgeben. Prima!
Wir müssen nicht die Stadt einmal queren, sondern können gleich hier Marrakesch verlassen. Ich passe sehr auf die Geschwindigkeit auf, weil es immens viele Polizeikontrollen gibt, die fast immer jemanden finden, der zu schnell unterwegs war. Ich denke, ich habe noch nie so viele Tempokontrollen erlebt wie heute!
Es geht bald hinauf auf das Atlas-Gebirge, auf den Pass Tizi n´Tichika. Die Straße ist gut ausgebaut, nach oben meist zweispurig. Wir halten ein paar Mal an, einmal für einen Kaffee an einem kleinen Dreirad, dann bei Steinen, die teils schon geöffnet sind und richtig gut aussehen. Als es weiter oben schon Schnee hat, stoppen wir, wie auch auf der Passhöhe, nochmals. Dann geht es hinab nach Ouarzazate und durch eine endlose Steinwüste weiter bis Skoura, wo wir leider mit der Unterkunft kein Glück hatten: Die Kasbah hat keine weiteren Gäste, macht einen lieblosen Eindruck, auch wenn es unten einen großen Saal gibt, wo am Wochenende eine Hochzeitsein soll.
Wir fahren dann zu einer anderen Kasbah auf der gegenüberliegenden Seite von Skoura, wo es vielleicht Abendessen gibt. Ein älterer Herr meint, das würde gut eine Stunde dauern, bis wir was kriegen. Wir fragen, ob wir uns etwas umschauen können, weil es hier echt schön ist - und das dürfen wir. Da kommt ein jüngerer Mann. Ja, wir können gerne dableiben, so um 19 Uhr würde es was geben. Okay. Wir genießen die abendliche Sonne, die ein wunderschönes Licht bringt, fotografieren und machen noch einen Rundgang um die Kasbah.
In der Kasbah Dar Essalam bekommen wir ein tolles Abendessen. Zuerst einen Salat - Kartoffeln, rote Beete, eingelegte Paprika, Bohnen und weiteres mehr, mit einem leckeren Brot. Dann folgt eine Tajine mit Hackfleischkügelchen und Gemüse, ebenfalls gut gewürzt.
Nachdem wir tagsüber nach dem Pass viel Wüste gesehen haben, ist so eine Oase schon fast wie ein kleines Wunder. Ich versuche mir vorzustellen, wie das früher gewesen sein mag, als man zu Fuß oder auf einem Tier unterwegs war und dann, irgendwann, hoffentlich auf eine Oase getroffen ist. Und hier, wie diese Kasbah gemacht ist: Das macht einfach Freude.
Im Dunkeln, auf dem Heimweg, müssen wir nicht nur nach unbeleuchteten Fahrrädern schauen, sondern auch nach der Kasbah, in der wir übernachten. Als ich einmal links abbiegen will, sehe ich ein Schild zu einer Piscine - das hatte ich vorhin auch schon gesehen. Also: Noch etwas weiter - und wir sind da.
Auch wenn ich von der Kasbah nicht überzeugt war, konnte ich erstmals halbwegs gut schlafen. Das Frühstück schmeckt bis auf den Kaffee gut. Dann besuchen wir vor Skoura eine Kasbah und fallen kräftig rein: Wir parken und kaufen Tickets, dann auch noch einen Führer, der zuerst nicht so richtig will. Spricht man französisch, dann taut er etwas auf. Als wir wieder draußen sind, merken wir: Wir waren gar nicht in der offiziellen Kasbah, sondern in der daneben. Doch ein weiteres Mal erneut zahlen und vielleicht gar nicht viel mehr sehen als eben, das wollen wir auch nicht.
Jedenfalls wusste der Führer einige interessante Dinge zu berichten und konnte auch etwas zum Erhalt der Lehmbauten sagen. Denn wie viele Kasbahs sind ja inzwischen zusammengestürzt. Wir fragen, wie die Kasbahs erhalten werden und erfahren, dass man dann, wenn es regnet, die ebenen Flächen jeweils bearbeitet mit dem, was sich an Lehm löste. Wenn die Wände Schaden nehmen, werden sie mit frischem Lehm und Stroh ausgebessert.
Eine Schalung wird gezeigt, dass man sich vorstellen kann, wie die Wände gebaut werden. Im Hof gab es einen unglaublich großen Weinstock. Verschiedene Ölpressen stehen herum - ich muss mal prüfen, ob das stimmt, dass aus 5 kg Oliven 1 l Öl gewonnen werden kann.
Dann schauen wir in Skoura nach einer SIM-Karte. Der erste, ältere Herr ist nicht in der Lage, das Handygehäuse zu öffnen. Da gehen wir doch weiter und finden einen jungen Mann, der sehr versiert ist, die neue Karte einlegt, die alte auf das Handy aufklebt, uns ein Telefonguthaben auflädt und dann noch 10 GB Internet. In wenigen Minuten war das alles erledigt - und es geht. Prima!
Auf dem Markt kaufen wir ein Brot und Obst. Dann geht es eine halbe Stunde in Richtung Berge. In Touridoute soll es eine schöne Kasbah geben, meint unser Loose-Führer. Es zieht sich, weil oft nur 60 km/h erlaubt sind, und da auch die Einheimischen zwar etwas schneller fahren, aber auch nicht viel mehr, halten wir uns mal an die Geschwindigkeit.
Es geht durch ein Dorf mit einem Markt, der eher wie ein Großmarkt wirkt. Anschließend biegen wir auf einen Feldweg ab, überqueren einen Bach - und das Navi meint: Wir seien da. Da ist allerdings nichts - links der Bach, rechts Olivenbäume. Wir fragen eine Frau, dann einen Mann, die in Richtung des Dorfes zeigen, durch das wir gekommen sind. Wir fahren zurück und im Reiseführer ist das sehr seltsam beschrieben. Auch das Navi findet hier keine Kasbah, abgesehen von denen, in denen man übernachten kann. Wir fahren wieder zurück, essen was und fahren dann die Straße wieder zurück nach Skoura, wo wir in Richtung El-Kelaa M‘Gouna fahren, von dort nach Norden abbiegen ins Rosental zur Kasbah Agoulzi.
Eine Frau hat diese vor 20 Jahren aus alten Materialien bauen lassen. Wir hatten Glück, weil in der Nacht vorher und danach alles ausgebucht war. Von der Terrasse haben wir einen schönen Blick ins Tal. Wir machen nach einem Tee einen Spaziergang, über den Fluss und hinauf zur Schule, wo wir auf den Anti-Atlas schauen können und das Tal hinab, durch das wir gekommen waren. Wir gehen durch Häuser und an Eseln vorbei zum Fluss, wo es eine kleine, improvisierte Brücke gibt. Dann entdecken wir die Rosen, die dem Tal den Namen gegeben haben. Im Mai blühen sie. Jetzt ist auch deutlich zu sehen, wie wichtig das Wasser im Tal ist. Verschiedene Wasserläufe verteilen das Flusswasser, das dann jeweils in einzelne Felder geleitet wird. Nach dem schönen Spaziergang mit zahlreichen Fotos von dem, was hier wächst, setzen wir uns noch auf der Terrasse bei einem Tee in die Sonne.
Das Abendessen ist hier im Preis inbegriffen und wirklich gut - nicht ganz so toll wie in Skoura, jedoch sehr lecker. Und danach - wer hätte das gedacht - gibt es noch eine Praline und einen Schluck Sekt für den letzten Abend im Jahr!
Abends lese ich zu den Berbern nach und finde bei Wikipedia diese Infos:
„Die Berber (oder Amazigh) sind die Ureinwohner Marokkos, eine indigene Volksgruppe mit reicher Kultur und langer Geschichte, die einen wesentlichen Teil der marokkanischen Bevölkerung ausmacht (schätzungsweise bis zu 80 %) und hauptsächlich in den Atlas-Gebirgen lebt, wobei sie ihre eigene Sprache Tamazight (Amtssprache seit 2011), Traditionen, Musik (Berber-Blues) und Kunst (Berber-Teppiche) pflegen, auch wenn viele heute auch Arabisch sprechen und sich als Muslime identifizieren.“ Und zur Sprache der Berber: „Die Berbersprachen, auch Berberisch oder Berbisch (ⵜⴰⵎⴰⵣⵉⵖⵜ Tamaziɣt), sind ein Zweig der afroasiatischen Sprachen, die in einigen Teilen Nordafrikas von Berberngesprochen werden. Der Sprachraum erstreckt sich in West-Ost-Richtung vom Atlantik bis nach Ägypten, in Nord-Süd-Richtung vom Mittelmeer bis nach Niger. Das Berberische hat ungefähr 40 Millionen Sprecher. Bis ins Mittelalter hinein waren die Berbersprachen ein Dialektkontinuum, das erst durch das Eindringen des Arabischen zersplittert wurde.
Wir haben sehr schlecht geschlafen - zu Beginn gab es noch berberische Musik von den jungen Männern im Haus, als wir schon im Bett waren. Das Frühstück ist wieder gut, heute auch mit gutem Kaffee. Wie wohl die gefalteten Pfannkuchen gemacht werden? Die sind meist ziemlich fettig. Neben Spiegelei gibt es auch drei kleine, sehr gute Brote, einmal mit kleinen Olivenstücken, mit Hummus und mit Lachs. Beim Auschecken erfahre ich, dass die beiden Tees am gestrigen Nachmittag aufs Haus gehen. Das muss sich dann auch im Trinkgeld etwas auswirken.
Dann fahren wir das Rosental aufwärts, freuen uns an den roten Felsen und ihren Formen. Im Hintergrund ist immer wieder der Schnee vom Atlas-Gebirge zu sehen. In Talendoute kehren wir um, fahren das Tal wieder hinab, an unserer Kasbah Agoulzi vorbei und zurück bis El Kanaa M‘Douda, dann weiter bis Boumalne und biegen ins Dades-Tal ab. Es gibt hier einen Affenfingerfelsen, den wir zuerst suchen. Google bringt uns mitten durch ein Dorf mit engen Gassen, sodass ich nur wieder raus will. Auf der Straße fahren wir etwas weiter, finden ein Café mit einem Parkplatz, wo wir leider nur einen Instant-Kaffee kriegen (während die Verkäuferin uns dann unbedingt noch eine Vase für 500 Dh verkaufen möchte) - doch das Auto kann hier stehenbleiben.
Wir gehen ins Tal hinab, finden eine erste Brücke über den Fluss, kommen zu einer verlassenen Kasbah, wo wir wieder einen Mann finden, der uns einen Weg zeigen kann, wie das hier meist so ist. Wir fotografieren die Überreste der Kasbah und finden den Weg, der über eine zweite Brücke führt und am Fluss entlang. Tolle Felsformationen sind hier über dem Fluss zu sehen, was klasse aussieht. Die roten Felsen mit den „Fingern“ sehen echt gut aus. Dazu die Graupappeln im Vordergrund, die manchmal fast so aussehen, als wären sie verschneit. Es gibt immerhin Stellen im Schatten auf dem Boden, wo noch Schnee liegt, obwohl es 15° warm ist. Auch Silberdisteln sind zu finden.
Wir gehen dann wieder zurück. Gut, dass wir die kleine Wanderung gemacht haben. Als wir zu unserer nächsten Unterkunft fahren und an der Straße nochmals halten, sieht das zwar nicht schlecht aus, aber zu Fuß am Fluss unterwegs zu sein, war deutlich schöner.
In der Auberge La Fibule Du Dades unterhalten wir uns beim Tee mit dem jungen Gastgeber, dessen Geschwister in Frankreich, Spanien und Italien arbeiten, jeweils im Gastgewerbe. Die Familie sind Berber und wir können ihm einige Fragen stellen. Wir wollen noch was von der Dades-Schlucht sehen und er meint, wir sollten noch etwas weiterfahren, bis zur eigentlichen Schlucht. Also - nochmals ins Auto und hinauf. Es steigt steil über Serpentinen an, bis weit oberhalb der Schlucht, dann wird es ebener - und erst danach wird die Straße durch die Schlucht geführt. Noch etwas weiter fahren wir und staunen darüber, wie die Felsen so wirken, als habe sie jemand mit einem Rechen bearbeitet.
Wir halten ein paar Mal für Fotos, wollen dann von unten in die Schlucht reingehen, wo es aber keinen Weg gibt. So parken wir am Hotel und gehen noch ein Stück neben dem Fluss abwärts - auch hier kommt wieder eine spezielle Brücke, aus einem Stamm, der oben abgesägt ist und auf zwei Betonpfeilern liegt.
Zunächst fahren wir nach Tinghir, wo es in einem Lehmdorf eine Moschee geben soll. Die wird zwar am Freitag wohl geschlossen haben, aber wir wollen mal schauen. Es fällt nicht leicht, zur Moschee zu fahren - Google weist uns nach einem ausgetrockneten Fluss in einen Weg, doch dann müssten wir den „Fluss“ überqueren. Also zurück und wieder abgebogen - doch da ist auch kein Weg, den wir fahren könnten. Weiter, nun vor dem Fluss abgebogen: Das sieht besser aus. Ich würde gerne am Fluss parken, aber da ist natürlich niemand, der auf das Auto aufpasst. Also fahre ich doch in die Siedlung rein, was für ein kurzes Stück gelingt, doch dann wird es einfach zu eng. Also - zurück und wieder an den Fluss.
Dann folgen wir großen weißen Pfeilen, die an den Hauswänden angemalt sind, zunächst noch durch bewohnte Häuser, dann durch zerfallene Lehmgebäude bis zur Moschee. Da ist alles offen, niemand ist da. Wir gehen einfach rein, stellen fest, dass Tauben hier die „Herrschaft“ übernommen und im Gebetsraum ihre Nester haben.
Einige Zeit später kommt ein älterer Herr, der sich um die Moschee kümmert. Seit 40 Jahren wohne hier niemand mehr. Vor einigen Jahren sei ein großes Stück der Decke eingestürzt, und ausländische Architekten, die gemeinsam zu Besuch waren, hätten Gelder organisiert, sodass das repariert werden konnte.
Es gibt neben einem Versammlungsraum, wo man auch Hände und Gesicht waschen konnte, einen Nebenraum für umfangreiche Waschungen. Eine eingerahmte Info, auch auf Deutsch, informiert zur Moschee, zu den Waschungen und zur Geschichte.
Wir tanken und fahren weiter, besuchen in Tinejdad ein wunderschönes Museum, das ein Kunstgeschichtler, der in der 1970er Jahren in Heidelberg studiert hat und dann wieder in seien Heimat zurückkam, an einer Quelle errichtet hat: Lalla Mimouna - Galérie d‘Art. Die Quelle war als gute Quelle qualifiziert worden, es gab auch eine Zeitlang ein Café dabei - doch dann verkam das alles. Das Wasser wurde verunreinigt und alles wurde aufgegeben.
Vor knapp 25 Jahren, so informiert uns der Herr, der zunächst im Auto vor dem Museum saß und uns dann freundlich begrüßte – in seinen Infos zum Museum. Er wollte hier wieder etwas errichten. Er fand neben der ersten Quelle drei weitere, sammelte ethnologische Funde aus der Umgebung und zur Geschichte, auch der Landwirtschaft, machte einen „Jardin des Mots“ mit Zitaten aus Afrika, aus Frankreich und Deutschland. Manche schrieb er auf und machte ein schönes Museum daraus, mit Sprüchen von Antoinette de Saint-Exupéry, Schiller und Goethe, wo es um das Leben, das Wasser und um die Freude geht. Dann kamen noch kalligraphische Werke von ihm dazu, in berberischer, arabischer und hebräischer Sprache. Einfach wunderschön gemacht.
Wir trinken noch einen Kaffee auf der „anderen“ Seite von Tinejdad in einem Lehmdorf. Heute ist da eine Art Kooperative von Bewohnern des alten Dorfes, die neben einem Restaurant auch ein Hotel betreiben. Schön, dass hier auch mal Frauen an der Kasse stehen!
Die Landschaft wird rauer, auch wenn es noch Oasen gibt. Von den Gesichtern der Frauen sehen wir weniger. In einem Dorf wollen uns Jungs anhalten, weil es wohl einen Rohrbruch gab und die Straße überflutet ist. Sie gehen kaum auf die Seite - man kann sich schon vorstellen, wie sie nachher noch etwas Geld wollen. So ähnlich geht es uns dann bei unserer Unterkunft am Abend, als wir vor dem Abendessen in der Kabah Luna del Sur noch eine Runde gehen: Drei Jungs auf Rädern begleiten uns, lassen uns jedoch nicht in Ruhe. Irgendwann ist dann doch Schluss, weil wir ziemlich deutlich machen, dass wir davon nichts halten und in Ruhe gelassen werden wollen.
Beim Abendessen sitzt neben uns ein Paar aus Holland, die heute mit dem jungen Mann eine Tour mit dem Auto in die Wüste und zu Berbern gemacht haben und davon recht begeistert erzählen. Das könnte auch für uns für Morgen etwas sein. So fragen wir, ob der junge Mann Zeit hat - und wir verabreden uns auf 9.30 Uhr für eine Tagestour und wir werden eine zweiten Nacht hier übernachten.
Wir starten um 9.30 Uhr im 4x4 von der Kasbah, fahren ein Stück nach Süden, wo er erstmal tankt und dann in die Dünen abbiegt, an einem See und an der Baustelle für ein großes Hotel vorbei, das schon jahrelang erbaut wird. Bei Dromedaren halten wir, die hier auf einen Einsatz warten. Die Sättel liegen schon bereit. Bald sind wir bei den Sanddünen, wo unser Fahrer uns kurz zeigt, dass sein Allrad auch Sand und Gelände kann. Wir gehen ein wenig durch den Sand. Es zieht ziemlich, ist aber nicht unangenehm. Wir sehen, wie Bauarbeiter eine große Mauer bauen - sie mischen den Regen, den es hier vor kurzem gegeben hat, mit dem Lehm, geben die Mischung nach oben in die Schalung - es wird gestampft, und so geht es eigentlich recht flüssig weiter. Wir dürfen sogar fotografieren!
Unser Führer hält an einem Brunnen, den Frauen erstellt haben. Neben dem Brunnen stehen zwei Gefäße am Boden, damit auch Tiere hier etwas trinken können. Bei freien Kamelen kommen wir vorbei, die recht strohiges Gestrüpp fressen. Bei einigen Kamelen sind die Vorderbeine zusammengebunden, wohl, damit sie nicht gar so weit weggehen. Ein Stück entfernt kommt eine kleine Kamel-Karawane mit Sätteln vorbei. Wir machen Halt für einen Tee bei einer Nomadenfamilie, wo einige Zelte für Besucher aufgestellt sind. Eine Frau macht Feuer in einem Zelt, für uns dann auch einen Tee und eine Nomaden-Pizza - ein Hefeteig, in den, wie bei einer Calzone, Gemüse und Gewürze eingelegt und die dann zugeklappt wird. Schmeckt echt gut! Wir sitzen einige Zeit im Zelt - hier ist der Wind nun stärker. Dann kommt eine Ziegenherde vorbei, mit recht vielen kleinen Ziegen.
Wir fahren weiter - ich bin echt geschockt, wie viele Camps es hier gibt. Man darf man im Erg Chebbi nicht mehr übernachten (zumindest nicht in Luxus-Camps), wobei der Erg ja nur 5 km „breit“ ist. Da kann man ja gar nicht richtig in der Wüste sein. Also - hier will ich in keinem Zelt schlafen, soviel ist klar.
Wir fahren dann noch auf einer Anhöhe vorbei, von der aus die Grenze nach Algerien gut zu sehen ist, das sind nur ca. 10 km. Hier werden in engen, tiefen Gräben per Seilzug Eimer mit Mineralien geschürft und auf LKW verladen. Dann fahren wir auf der Südseite des Erg Chebbi nach Westen bis auf die Straße, wo unser Guide uns in ein Restaurant bringt, in dem kräftige Berbermusik gespielt wird. Das ist recht laut und so gehen wir ein Stück weiter, wo wir dann etwas zu essen bekommen - nach einer Suppe kommt noch eine zweite Berber-Pizza, die jedoch deutlich schlechter schmeckt als die am Vormittag.
Dann geht es noch zu einem See, wo wieder Mal ein kleines Auto davor steht und Kaffee anbietet. Campingtische mit Stühlen stehen am Ufer. Doch es ist recht kalt und windig - teils sehen wir auch einige Regentropfen. Der Regen nimmt zu. Wieder zurück, gehen wir zu Fuß noch zu den Fossilien, wo wir gestern schon waren. Ein Mann im Rollstuhl, der sogar deutsch spricht, versucht hier etwas zu verkaufen. Er kam wohl im Quad, das nun da steht und hat sich in den Rollstuhl gesetzt. Wir kaufen Steinrosen - und, weil wir nicht handeln wollten, gibt er uns noch zwei kleine Steinröslein mit.
Heute steht eine recht lange Fahrt an bis NKob, gut 3 Stunden gibt Maps an. Die Fahrt wird allerdings echt interessant, weil sich die Landschaft dauernd ändert. Wir begegnen einer großen Herde Kamele, wundern uns, welche dornigen Zweige die essen und wie hoch sie hinaufkommen. Kaum haben wir gehalten und sind mit den Fotos zu ihnen gelaufen, halten auch andere Autos für Fotos.
Wir sind kurz nach 14 Uhr in NKob an der Ksar Jenna - unglaublich vollgestopft mit Fundsachen. Auch in den Gästezimmern liegen Fußschlappen auf dem Boden, an einem Bügel hängt ein Morgengewand, unzählige Bücher liegen im Vorraum auf einem Tisch. Nach einem Kaffee entschließen wir uns, nochmals ein Stück zurückzufahren und 21 km auf einer Piste zu 8.000 Jahren alten „Felszeichnungen“ zu fahren, die man dort besichtigen kann. Das hätten wir deutlich leichter haben können, denn die erste Strecke sind wir vorhin bereits gefahren auf dem Weg nach NKob. Dann kommt auf der Piste eine Baustelle und wir fahren hinter einem 4-achsigen LKW weiter. Nach dem eigentlichen Dorf Ait Ouazzik geht es noch zwei Km raus, doch ist das gut beschildert - wir müssen nicht, wie es im Führer steht, nachfragen.
Vom Parkplatz geht es etwas nach oben. Wir finden keine Zeichnungen, sondern Einritzungen in den Felsen. Die sind nur durch Drähte abgespannt, damit man nicht drauftritt. Nicht so klar ist, was alles wirklich so alt ist und ob da mal jemand in letzter Zeit nachgeholfen hat. Jedenfalls - ein junger Mann ist mit dem Motorrad auch hier raufgefahren und schaut nach dem Rechten. Wir danken ihm mit einem Trinkgeld und er zeigt uns, wo es weitere alte Spuren gibt. Wir finden auch noch echte „Rosen von Jericho“, von denen wir einige mitnehmen. Nach einem kleinen Spaziergang starten wir wieder, weil wir gerne vor Einbruch der Dunkelheit zurück sein wollen - nicht nur Autos fahren hier gerne ohne Licht, auch Mopeds, Radfahrer und Fußgänger meinen, dass ihnen ja kaum was passieren kann.
In NKob gibt es ein Restaurant, ziemlich am Ende, bevor die Straße heruntergeht und weiter zu unserem Domizil. Doch: Das Restaurant ist voll von Fußballfans, die alle hier sitzen und das Spiel Marokko - Tunesien im Fernsehen anschauen. Ich schaue kurz rein, sehe, dass alles voll ist - und während wir noch überlegen, kommt ein Mann, der uns anbietet, wir könnten gerne draußen sitzen. Da ist es allerdings zu kalt. So bringt er uns nach nebenan, wo es im ersten Stock ein Restaurant gibt: Einmal marokkanisch, einmal berberisch und einmal europäisch. Wir bestellen zwei Mal „Pasticcio“, einmal Mixte, einmal mit Fleisch - und sehen die letzten Nachspiel-Minuten des Länderspiels, das Marokko mit 1:0 gewinnt.
Obwohl es sehr kalt im Riesen-Gebäude war, schlafen wir erstaunlich gut. Am nächsten Morgen lässt sich - trotz ellenlangem Warten - der Dusche kein warmes Wasser entlocken. Wir trinken noch einen Kaffee und einen Orangensaft, verzichten jedoch auf ein Frühstück - unser Gastgeber ist ziemlich erkältet; das Kaffeegeschirr vom letzten Nachmittag steht noch ungespielt rum.
Wir holen Brot im Städtchen und fahren nach Norden, zunächst hoch hinauf, bis es dann steil hinab geht in ein Tal, das allerdings mit dem kleinen Tal von gestern nicht so ganz mitkommt. Dann noch ein kurzes Schotter-Stück und wir stellen das Auto vor einer Flussüberquerung ab. Kaum sind wir losgelaufen, kommt ein Mädchen, das sich nicht so leicht abschütteln lässt. Einige DH helfen dann doch.
Wir gehen auf Pfaden hinauf zu einem markanten Felsstück, wo zwei Spanier mit einem Geländewagen übernachtet haben. Zwei andere sind auf einer größeren Wanderung unterwegs und werden von einem Hund begleitet. Wir fotografieren immer wieder und gehen wieder, an einer Schafherde vorbei, hinab zum Auto, wo es sogar Frösche in einem keinen Teich hat und verschiedene Bienenstöcke.
Dann fahren wir zurück nach Kob und weiter nach Agdz, wo wir in einem Vorort ein Zimmer gebucht haben. Das ist gar nicht so leicht zu finden, weil es mitten in den Lehmbauten ist, nahe bei der großen, alten Kasbah, durch die wir uns dann führen lassen - und im Anschluss auch noch vom Führer zu einem Tee einladen lassen. Dann wollten wir noch zu Fuß nach Agdz gehen. Nachdem der Weg lange durch das Dorf geht, kehren wir um und fahren mit dem Auto. Es fällt schwer, etwas zu finden für das Abendessen. Ein Restaurant hat zu, das nächste bringt schon mal dreckige Gläser auf den Tisch - also gehen wir wieder zurück und essen je ein Omelett in einem der Cafés, die auch im Reiseführer erwähnt werden. Leckere Süßigkeiten nehmen wir noch mit. Da wir uns entschieden haben, die letzten Tage in Agadir zu verbringen, tanken wir gleich noch, bevor wir zurückfahren. Da ist schon alles dunkel - und die AC lässt sich nicht dazu bewegen, etwas Wärme in das Schlafzimmer zu bringen. Mehrere Versuche bleiben erfolglos, sodass wir dann draußen auf der Terrasse unter einer dicken Decke sitzen und nach einer Unterkunft für Agadir suchen.
Schon abenteuerlich, was hier als Hotelzimmer angeboten wird! Um uns rum wohnt kaum mehr jemand - unser Führer, der ein eigenes Lehmhaus bewohnt und das langsam, Zimmer für Zimmer, besser bewohnbar macht (wobei er wohl keine Heizung braucht; darauf verzichten die Menschen, die hier leben, in der Regel).
Die Nacht bleibt kalt - die Klimaanlage lässt sich nicht dazu bringen, das Schlafzimmer etwas warm zu kriegen. Im Bett wird es warm, aber es bleibt eng. Am Morgen kommt recht pünktlich das Frühstück. Der Kaffee ist so schwach, dass ich dachte, es sei Tee.
Es geht nun Richtung Agadir. Spannend, wie sich heute die Landschaft auch wieder verändert - zunächst noch das recht trockene Tal bei Agdz, wo uns der Führer gestern sagte, dass viele Dattelpalmen eingegangen sind und, dass es im Winter der letzten Jahre deutlich kälter geworden ist.
Ein erster Pass kommt, gut 1.800 m hoch, dann wird es sehr einsam, als wir hinab fahren. Nur wenige Autos sind unterwegs. Kaum mehr Dörfer, auch keine Nomaden sind zu sehen, ebenso keine Ziegen und Schafe.
Wir halten bei der Association Iklane, wo in einer Kooperative Teppiche geknüpft werden. Am frühen Nachmittag trinken wir einen Kaffee in einem kleinen Straßendorf. Dann geht es weiter und wir machen eine kleine Runde durch Taroudant - einem kleinen Städtchen, das von einer langen, bis zu 9 m hohen Stadtmauer umgeben ist. Wir kaufen dort erst eine Tajine und wundern uns, dass die nur 25 DH kostet. Nachdem wir dann eine Samosa gegessen haben mit leckeren Shrimps und noch ebenfalls frittierte Röllchen auf dem Markt, kaufen wir noch eine zweite Tajine, damit wir auch mal andere einladen können.
Unterwegs lese ich im Reiseführer zur neueren Geschichte von Marokko nach zur neueren Geschichte und politischen Situation. Das beginnt eigentlich schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit dem „französischen Intermezzo“. 1912 wurde Marokko französisches Protektorat, was zum Ausbau der Landwirtschaft führte. Die Franzosen sorgen unter strenger Kontrolle dafür, wie sich Marokko marktwirtschaftlich und an Europa orientiert entwickelte. Nach Widerständen in den 1920er Jahren durch die Rif-Republik unter Amazirin Abdel Krim gaben die Franzosen den Amazirin eine andere Rechtsprechung als den Arabern - die Amazirin sollten dem Gewohnheitsrecht unterliegen, während die Araber der Scharia folgen sollten. Die beiden Volksgruppen wurden so zusammengeführt und verstanden sich - Amazirin und Araber - gemeinsam als Muslime, die durch die Religion verbunden war als Unabhängigkeitsbewegung, die zur Gründung der ersten Nationalpartei Marokkos führte, der PNRR (Nationale Partei zur Realisierung der Reformen). Eine zweite Partei holte Mohammed V. Aus dem Exil und am 2. März 1956 erklärte sich Marokko für unabhängig. Mohammed versprach einerseits eine konstitutionelle Monarchie, nahm das jedoch nicht ernst und sah sich als totalitären Herrscher, der nichts von seiner Macht abgeben wollte.
1961 übernahm sein Sohn Hassan II. die Macht und ließ eine erste marokkanische Verfassung verabschieden, durch die er der autokratische Herrscher war (Gesetzgebung, Auflösung des Repräsentantenhauses, Richter-Ernennung, Erklärung von Krieg und Frieden und zur Begnadigung lagen bei ihm). Das brachte ihm und seinen wirtschaftlichen Projekten einen großen Erfolg, während er seine politischen Gegner des Landes verwies, sie foltern oder töten ließ.
1975 konnte er die Westsahara zurückerobern, was ihm bei der Bevölkerung große Sympathien brachte. Er baute auch die Schulbildung aus, gründete Universitäten und trieb die Wirtschaft voran. Als er 1999 starb, endete eine Ära des Despotismus - doch er hatte es auch geschafft, dass die Menschen nicht hungerten und fast zu 50 % alphabetisiert waren; im Vergleich mit anderen afrikanischen Staaten war Marokko ein wohlhabendes Land.
Mohammed VI. Oder „M6“ wird von vielen Marokkanern verehrt und nicht gefürchtet. Er verbietet nicht jede Kritik. Er erließ 2004 die Mudawanna, das Familienrecht Marokkos, das Frauen die 100%ige Gleichberechtigung zuspricht; er arbeitet an der Bekämpfung des Analphabetismus, des Umweltschutzes und der Pressefreiheit: in Arbeit, aber noch bei weitem nicht vollendet. Er arbeitet gegen die alte Verfassung, trennte 2011 beim arabischen Frühling Exekutive, Judikative und Legislative und ließ eine neue Verfassung erarbeiten. Er sicherte die Menschenrechte, machte die Amazirin zu gleichberechtigten Marokkanern und führt das Tamazight als gleichwertige Staatssprache ein. 98,8 % der Bevölkerung nahmen die neue Verfassung an. Juden erhielten eine eigene Gerichtsbarkeit im Familien- und Religionsrecht und es gab einen ersten vom Volk gewählten Regierungschef. 2026 finden die nächsten Wahlen in Marokko statt.
Wikipedia beschreibt - etwas anders als die hier zusammengefassten Infos aus dem Reiseführer von Muriel Brunswig, Marokko (Stefan Loose-Travel Handbücher) - Marokko immer noch als maghrebinisches Königreich, wo der König, trotz leichter Fortschritte seit 2011, das Land immer noch teilweise autoritär regiert. Die Meinungsfreiheit seien genauso eingeschränkt wie die Frauenrechte. Der Name des Landes ist „Maghrebinisches Königreich“ bzw. das „westliche Königreich“ in der eigenen offiziellen Staatsbeschreibung. - Marokko hat ca. 38 Mio. Einwohner.
Dann fahren wir vollends nach Agadir, wo wir kurz nach 18 Uhr ankommen. Hanane, unser Air-BNB-Superhost, schickt uns Fotos und den Code für die Schlüssel, und die beiden Wachmänner bringen uns bis direkt vor die Wohnung, die im ersten Stock inmitten eines Gebäudekomplexes liegt.
Am Abend suchen wir erst per Handy, dann draußen nach etwas zum Abendessen; wir finden ein Lokal, für das wir allerdings fahren müssen, was ich erst nicht wollte. Dann fahren wir doch gut 10 Minuten durch Agadir bis zur Roastery, wo es eine Fisch-Tajine und ein Rfisa gibt.
Als wir wieder zurück sind, fällt mir auf: Meine Kamera habe ich liegenlassen. Also nochmal den ganzen Weg zurück - der Kellner hat mich schon gesehen und bringt mit die Kamera. Glück gehabt!
Was für ein Unterschied - das Quartier in der letzten Nacht und nun in Agadir - der Stadt, die 1960 nach einem Erdbeben komplett neu erbaut worden ist. Nicht gerade schön, aber der Unterschied ist schon krass. Hier mit vielen Leuchten, am Straßenrand blinkt es ständig, und Geschwindigkeitsbeschränkungen oder Zebrastreifen sind hier ebenfalls beleuchtet und blinkend angezeigt. Wenn es drei- bis vierspurig durch den Kreisverkehr geht, muss man gut aufpassen, ebenso auf die Mopeds, die auch hier in der Großstadt gerne ohne Licht unterwegs sind.
Am Morgen besuchen wir den Souk und fahren am Nachmittag in die Nähe des Strandes, spazieren zur Corniche und weiter zum Strand. Wir gehen nach Norden und biegen in Richtung Stadt ab zum Historischen Museum von Agadir. Es liegt in einem Garten, den wir finden und der echt schön ist, aber das Museum ist geschlossen. Auch die Frauen-Kooperative, die wir anschauen wollen: Die hat sich entweder aufgelöst oder sie ist nun an einer anderen Stelle zu finden. Schade! Zumindest der Garten ist sehr schön, mit vielen Blüten, Dattelpalmen und einigen weiteren Pflanzen, die hier jeweils beschrieben sind.
Der Rückweg wird etwas länger, weil die von Google Maps vorgeschlagenen Wege es so gerade nicht gibt. Am Stadion und an der Kunsthalle vorbei kommen wir wieder zum Auto zurück. Am Abend fahren wir zum Lokal Zaz, das unsere Gastgeberin empfohlen hat. Es liegt in nördlicher Richtung eine gute halbe Stunde außerhalb. Vor allem jüngere Touris sind dort. Das Essen schmeckt mäßig. Meine Paella ist reingebrannt und nicht gut gewürzt.
Bei der Rückfahrt muss ich teils echt aufpassen, weil hier, ganz anders als sonst, ziemlich radikal gefahren wird. Man nimmt kaum Rücksicht und hupt viel. Doch auch heute kommen wir kommen wieder unfallfrei zurück.
Der Kasbat Souss ist ein kleiner Markt mit Kunsthandwerk, wo wir für uns neue Kissenbezüge fürs Wohnzimmer kaufen und für die Enkelinnen Holzspielzeug - wie kleine Puzzle, die aufgestellt werden können. Dafür müssen wir allerdings noch eine Weile warten, weil nicht gleich, als wir dort sind, schon alle Händler vor Ort sind. So trinken wir noch einen Tee. Dann starten wir, wieder auf die N1 Richtung Essaouira nach Norden, kaufen in einem Supermarkt einen Camembert und fahren dann, kurz vor dem Zaz-Restaurant, rechts ab in Richtung Nordosten in ein sehr schönes Tal, in dem sich das Paradise Valley befindet: Eine kleine Oase in einem Flusstal mit kleinen Wasserfällen. Unterwegs sehen wir zwei Ziegen auf einem Baum und halten an: Das ist wohl ein Argan-Baum, dessen Früchte die Ziegen gerne fressen. Dass wir halten, führt dazu, dass die Ziegen gleich herunterkommen und hoffen, sie kriegen was anderes zu fressen. Der Hirte gibt ihnen Brot, und auch unser altes Brot kommt noch ganz gut bei den Ziegen an. Dann braucht es noch etwas Money, und der Hirte ist ebenfalls zufrieden: Er hat sich da schon an der richtigen Stelle mit seinen Ziegen und seinem Hund platziert.
Am Paradise Valley gehen wir an einigen Cafés etwas nach unten in Richtung Fluss, drehen um und gehen auf halber Höhe einen Weg entlang, bis wir weiter hinten an den kleinen Fluss kommen. Schade, dass es auch hier viel zu viel Müll gibt, wo es doch eigentlich richtig schön wäre! - Nun wissen wir, wie manche Marrokaner sich das Paradies vorstellen: Wasser, Schatten, Café und Tee-Verkäufer gehören dazu, Dattelpalmen, Hunde und Katzen. Okay!
Auf dem Weg zurück leitet uns das Navi in Richtung Alma, ein Dorf nördlich von Agadir, über das wir eh fahren wollten, damit wir noch etwas von der Landschaft sehen. Es geht nochmals gut hinauf, wir haben von oben einen schönen Blick auf den Atlantik. Dann geht es wieder hinab zur Küste und wir haben den letzten „Ausflug“ hinter uns, bevor es dann morgen nach Marrakesch zum Flughafen geht.
Nach einer Pause fahren wir nochmals zum 20. Boulevard, wo wir wieder parken und am Strand dieses Mal nach links abbiegen und bei Flut am Wasser entlanggehen, dann auf der der Corniche wieder zurück an vielen, meist leerstehenden Hotels. Was muss das hier in der Hochsaison für ein Betrieb sein - unglaublich! Einige spielen ausdauernd Fußball, wobei es schon speziell ist, wie viele hier einfach in Socken kicken. Steine auf dem Sand spielen wohl keine Rolle. Wie es den Socken nach einigen Spielen wohl geht?
Auf dem Rückweg geht die Sonne unter, mal wieder blitzschnell. Kaum hat zunächst der untere Rand das Meer berührt, kann man gut zuschauen, wie rasch die Sonne untergeht.
Zurück in der Wohnung gehen wir zu Fuß in ein kleines Straßenlokal, zwei Straßen weiter, wo meist Menschen Schlange stehen, um etwas zu essen. Ein Tisch ist noch frei. Nach kurzer Zeit setzt sich ein Obdachloser an den Tisch neben uns. Über eine kleine Spende freut er sich. Doch dann, kurz, nachdem wir unser Essen bekommen, erhält auch er eine Suppe, einige Datteln und ein Ei, einfach so. Schon klasse, dass er hier mitversorgt wird! Der Tisch wird zwar für ihn nicht geputzt, aber er bekommt etwas zu essen. Kurz nach 21 Uhr sind wir wieder zurück, haben viele Schnecken-Verkäufer gesehen, die am Straßenrand stehen und Schneckensuppe verkaufen und auch eine unglaublich hohe Zahl von Barber-Shops. Die Männer gehen hier wohl gerne und häufig zum Friseur bzw. zum Barbier. Einmal sehen wir auch einen, der mit wohl warmem Dampf eingesprüht wird, wozu auch immer. Und, was auch auffällt: Sehr schicke Damen-Kleider, entweder für zu Hause oder auch extrem kurze Anzüge für Frauen. Wir haben jedoch nicht gesehen, wie eine Frau hier so etwas trägt.
So - und dann sind wir zum letzten Mal in unserer kleinen Drei-Zimmer-Wohnung für die letzte Nacht.
Am letzten Tag steht eine längere Fahrt nach Marrakesch an. Es wird wieder sehr einsam auf den Straßen. Wir verzichten auf die Autobahn, damit wir etwas mehr sehen von der Landschaft. Wieder gibt es, auch weit „draußen“, zahlreiche Radarkontrollen der Polizei. Einige, die uns überholt haben, sehen wir so wieder, die nun von den Polizisten angehalten worden sind.
Wir sind etwas zu früh am Flughafen und können erleben, wie Fußballfans dort empfangen werden: Am Abend ist wieder ein Fußballspiel in Agadir. Immer wieder wird kräftig vor dem Ausgang des Flughafens getrommelt. Wir trinken noch einen Kaffee, erleben dann im Flughafen noch den Anpfiff für das Spiel der marrokanischen Mannschaft. Als wir dann in Frankfurt landen, erfahren wir vom Piloten, dass Marokko gewonnen hat: Großer Beifall im Flugzeug!
Dann warten wir, bis wir abgeholt werden – es hat kräftig geschneit, und die ersten Kilometer liegt Schnee auf der Straße. Noch bevor wir die Autobahn erreichen, regnet es zwar, doch es liegt kein Schnee mehr auf der Straße.